Der größte Druck auf Mallorca herrscht derzeit offenbar in der Redaktion der Última Hora. Genauer gesagt: auf der Redakteurin . Es muss ein enormer, fast schon unmenschlicher Druck sein, unter dem die Journalistin dort steht – nämlich der Zwang, pünktlich zum Saisonstart die immer gleichen, maximal alarmierenden Aufreger-Themen in die Tasten zu hauen.

Völlig egal, ob die Realität da noch mitkommt oder die Substanz unterwegs komplett auf der Strecke bleibt.

Die Touristenzahlen, die Nekane Domblás nicht erwähnte

Ganz nach diesem bewährten Muster erschien am 3. Juni 2026 ein Text mit der gewohnt dramatischen Schlagzeile: Más gente que nunca en marzo: Baleares registra un nuevo récord de presión humana (Mehr Menschen als je zuvor im März: Die Balearen registrieren einen neuen Rekord beim Humandruck).

Klingt brachial. Klingt nach einer unkontrollierten Explosion der Urlauberzahlen, dramatisch bebildert mit vielen Touristen vor der Kathedrale. Und lässt vor allem eines komplett vermissen: jegliche journalistische Recherche zu den tatsächlichen Touristenzahlen, obwohl diese bereits auch für April 2026 schon vorlagen.

Dazu muss man wissen: der „Humandruck“ setzt sich zusammen aus Einwohnern und Touristen Hätte Nekane Domblás nur einen einzigen, ganz nüchternen Blick in die offiziellen Daten des Statistikinstituts Ibestat (Stand: 2. Juni 2026) geworfen, wäre das mühsam aufgebaute Märchen vom neuen „Tourismusboom“ im Frühjahr krachend in sich zusammengefallen.

Die Realität: Nullwachstum statt Rekordwelle

Schaut man sich das gesamte erste Drittel des Jahres an, bleibt von der vermeintlichen Massen-Invasion absolut nichts übrig. Die nackten Zahlen der Touristenankünfte zeigen im Jahresvergleich ein astreines Nullwachstum:

  • Januar bis April 2025: 2.467.900 Urlauber

  • Januar bis April 2026: 2.463.876 Urlauber

Das ist kein Boom, das ist mathematisch sogar ein leichtes Minus von rund 4.000 Gästen.

Drei von vier Monaten im dicken Minus

Wie man daraus eine neue Rekord-Hysterie stricken kann, bleibt das exklusive Geheimnis der Última Hora, die regelmäßig mit bizarrem Zahlenunsinn auffällt.  Wer die Daten des Ibestat nämlich nicht nur abschreibt, sondern auch versteht, merkt schnell: Das erste Tertial 2026 war ein statistischer Reinfall. Drei der ersten vier Monate lagen im Vergleich zum Vorjahr teils drastisch im Minus:

  • Januar 2026: Einbruch um -13,02 % (205.347 Touristen)

  • Februar 2026: Verlust von -6,28 % (302.144 Touristen)

  • April 2026: Rückgang um -0,78 % (1.344.456 Touristen)

Der Oster-Trugschluss

Dass die Insel in der Gesamtbilanz überhaupt noch auf dem Niveau von 2025 kratzt, liegt einzig und allein an einem massiven, aber völlig logischen Ausschlag im März. Dieser legte zwar scheinbar um +10,39 % (611.929 Touristen) zu – doch das ist kein neuer Trend, sondern schlicht dem Kalender geschuldet.

Im Gegensatz zum Vorjahr fielen die Osterfeiertage 2026 extrem früh auf Anfang April. Die gesamte, klassische Oster-Reisewelle hat sich dadurch schlichtweg vom April in den März vorverlegt.

Aber eine Schlagzeile über ein stabiles Nullwachstum klickt sich halt nicht so gut wie der vermeintliche Untergang durch den „Humandruck“ durch neue Touristenwellen, wie ihn Nekane Domblás beschwört.